Auf und nieder, immer wieder!

Laufen hat einen hohen Stellenwert in meinem Leben. Ich widme mich mit Vorliebe ausgedehnten Läufen im hügeligen Terrain der heimischen Mittelgebirge. Der Grundstock für die Leidenschaft zum Laufen in der Natur wurde bereits früh gelegt.

In bin ein Kind der Mittelgebirge, aufgewachsen zu Füßen der Schwäbischen Alb und später zwischen Pfälzer- und Schwarzwald. Dementsprechend bin ich es von klein auf gewohnt, dass sich das Vergnügen zumeist in der Schräge abspielt. Als kleiner Knirps war es eine meiner Vorlieben, mit jedwedem fahrbaren Untersatz, egal ob Roller, Go-Kart, Fahrrad, Schlitten, Bob oder Ski, die Streuobstwiesen und Waldwege herunterzurasen. Da auf jede wilde Abfahrt ein Fußmarsch folgte und auch mein Schulweg ins Tal und zurück führte, war Fortbewegung am Berg immer was Natürliches für mich.

Als Spross laufbegeisterter Eltern war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich dieser großartigen Beschäftigung mit Fleisch und Blut verschrieb. Abgesehen von einem zweijährigen Masterstudium im hohen Norden, wo sich meine Höhenmeter auf eine Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal und Waldläufe durch kleine Gehölze beschränkten, bin ich dem Laufen in Wäldern und hügeligem bis bergigem Terrain immer treu geblieben. Als logische Konsequenz meiner Leidenschaft nahm ich irgendwann einen Job in Österreich in der Sportbranche an. Fortan widmete ich mich überwiegend den harten Anstiegen und wilden Downhills auf technischen Trails und der Gratrennerei.

Nach ein paar Jahren in Österreich lebe ich mittlerweile oberhalb von Freiburg in knapp 800 Metern Höhe in einer kleinen verschlafenen Siedlung. Für mich als Trailrunner ist es absolut grandios. Direkt von meiner Haustüre habe ich freie Sicht auf die Gipfel von Schauinsland sowie Belchen und direkten Zugang zu einem unerschöpflichen Netz an schmalen Pfaden und fein geschotterten Forstwegen. Dank der Halbhöhenlage habe ich die Wahl und die Qual – erst bergab oder ein direkter Kaltstart bergauf. So sehr ich das Laufen in Hügeln und Bergen liebe und mein Körper nach Jahren des Laufens gut daran angepasst ist, so beschwerlich kann diese Begebenheit in schwächeren Phasen oder in Hinblick auf ein ausgeglichenes Training sein. Da es hier oben unmöglich ist, einen Lauf ohne ein paar hundert Höhenmeter hinter sich zu bringen, sind regenerative Läufe und pulsgesteuertes Training im Grundlagenausdauerbereich nicht wirklich zu realisieren.

Eine routinemäßige Laufwoche setzt sich in der Regel aus zwei längeren Läufen von zwei bis vier Stunden und über tausend Höhenmetern sowie einem einstündigen Lauf in höherem Tempo oder einem Intervalltraining zusammen. Die weiteren zwei bis drei „Erholungsläufe“ sind selten länger als eine Stunde und bewegen sich meist im Rahmen von drei- bis vierhundert Höhenmetern. Mit großer Freude begleitet mich hierbei des Öfteren unser agiler Mischlingsrüde Nanuk. Zudem absolviere ich zweimal wöchentlich ein Kraft- und Stabitraining. Daneben genieße ich zahlreiche Spaziergänge sowie Wanderungen mit meiner Partnerin und Nanuk. Je nach Jahreszeit, Form und Belastung entlaste ich meinen Körper im 2:1 oder 3:1 Rhythmus.  

Obwohl ich mich viel mit Trainingslehre, Ernährung etc. beschäftige, tendiere ich – wider besseres Wissen – dazu, Regeneration und Entlastung nicht ernst genug zu nehmen. Dies ist viele Jahre gut gegangen. Denn abgesehen von kleineren Blessuren durch Stürze und einem dank Wurzelpfad gebrochenem Zeh, bin ich ganz gut davon gekommen. Bis dato. Weil vergangenes Jahr setzte mich ein klassisches Läuferknie auf der linken Seite für eine Weile schachmatt. Aktuell ist es mein rechtes Knie, welches mich mit einem geschwollenen Schleimbeutel plagt.

Da ich in meinem Laufkalender den Night52-Lauf im Kraichgau am 17. Juli und den Urmensch Ultralauf 54 am 17. Oktober in Steinheim fett angestrichen habe, kommt die neuerliche Verletzung zur Unzeit, bringt sie doch viel Unsicherheit mit sich. Unsicherheit und eingeschränkte Planungssicherheit sind ja überhaupt große Faktoren in diesen Tagen. Bereits vergangenes Jahr machte mir Corona – wie den meisten – bezüglich meiner Laufplanung einen Strich durch die Rechnung. Ansonsten muss ich ehrlich sagen, dass sich durch Corona in unserem Alltag nicht sonderlich viel geändert hat, da wir beide von zu Hause aus arbeiten. Nach Jobs als Schnittstellen- und Marketingmanager im Sport- und Barfußschuhbereich bin ich seit vergangenem Jahr als freiberuflicher Texter bzw. Content-Manager tätig. Bereits vorher habe ich viel Wert auf eine gute Work-Life-Balance und vor allem auf ausreichend Zeit für Laufen und draußen sein gelegt. Da wir, wie erwähnt, abseits vom großen Trubel leben und einem beschaulichen Lebensrhythmus folgen, sind es lediglich die Kontakte zu Freunden und Familie, die uns fehlen. Denn abgesehen von einem Großeinkauf in der Woche verbringen wir unsere Freizeit hauptsächlich in der Natur.    

Laufen hat so viele Facetten und Spielarten. Und jeder davon kann ich etwas abgewinnen und jede ist auf ihre Weise reiz- und wundervoll. Doch meine Leidenschaft gilt ausgedehnten Läufen durch Wälder oder wechselnde Landschaften mit hügeligem Terrain und Solo-Laufabenteuern in neuen Gebieten. Deshalb sind die oben genannten Läufe, der Night52 und der Urmensch Ultralauf 54, für mich auch so reizvoll. Beide führen über unterschiedliche Untergründe, bieten landschaftliche Abwechslung und mit knapp tausend Höhenmetern ein angenehm welliges Profil. Und beide bieten dank eines überschaubaren Teilnehmerfeldes ein angenehmes und persönliches Laufumfeld.

Ein flacher und schneller Frühjahrsklassiker der Marathonszene ist der Bienwald-Marathon. Da meine Eltern in direkter Nähe zu diesem wunderschönen und artenreichen Wald leben, habe ich hier unzählige Trainingskilometer hinter mich gebracht und konnte dabei seltene Arten wie Wildkatze und Schwarzstorch beobachten oder fand mich inmitten von Wildschweinrotten wieder. Aufgrund meiner Verbundenheit zum Wald und zur Region komme ich nicht drum herum, mich im Frühjahr mal ins Getümmel zu schmeißen. Aufgrund der Pandemie ist der Bienwald-Marathon in diesem Jahr übrigens auf den 2. Oktober terminiert.

Jetzt gilt es für mich jedoch, erst mal geduldig meine Knieverletzung auszukurieren und dann langsam in die Vorbereitung einzusteigen. Ich denke, jeder Läufer kann nachvollziehen, wie ich bereits am ersten schmerzfreien Tag mit den Füßen scharre und am liebsten die Laufschuhe schnüren würde. Wandern und Radfahren sind zwar auch großartig, befriedigen mich jedoch nicht annähernd im selben Ausmaß wie Laufen – dazu sind Stabilisations- und Kräftigungsübungen zwar notwendig, aber nicht sonderlich spaßig.  

Diese Verletzung führt mir mal wieder vor Augen, wie groß die Bedeutung vom Laufen in der Natur für mich tatsächlich ist und welche Relevanz es für meine Ausgeglichenheit und meinen Seelenfrieden hat. Tatsächlich passt Laufen ausgezeichnet zu meiner Persönlichkeit und wirkt gleichzeitig meinen Schwächen entgegen. Deshalb werde ich mich meinem Reha-Programm widmen und voller Vorfreude und Ungeduld meinem ersten schmerzfreien Lauf entgegensehnen.

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